Wer von erneuerbarer Energie spricht, denkt kaum je an Abfall. Doch gilt dieser wegen seiner organischen Anteile auch als erneuerbarer Energieträger. Die Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen wie hier die neue Energiezentrale in Bern produzieren denn auch rund tausend Gigawattstunden Strom pro Jahr.
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Interview aus Jahresbericht

Wie stellt sich die Schweizer Zementindustrie zum Thema Nachhaltigkeit?

Prof. Dr.-Ing. Holger Wallbaum gibt Antworten darauf. Er ist seit 2006 Assistenzprofessor für Nachhaltiges Bauen am Institut für Bau- und Infrastrukturmanagement (IBI) an der ETH Zürich und seit 2002 Gesellschafter und Geschäftsführer der triple innova GmbH für Nachhaltiges Wirtschaften.

Prof. Dr.-Ing. Holger Wallbaum
Prof. Dr.-Ing. Holger Wallbaum
Herr Wallbaum, als Professor für Nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich sind Sie profunder Kenner der Materie. Nachhaltiges Bauen ist ein aktuelles Thema - welche Rolle spielt dabei heute die Erstellung von Ökobilanzen? Speziell beim Bauen erfährt die Ökobilanzierung gegenwärtig einen grossen Aufschwung, da das Thema der Zertifizierung von «nachhaltigen » Gebäuden sehr aktuell ist. Das jüngste Zertifizierungssystem stützt sich bei der Bewertung der ökologischen Performance eines Gebäudes massgeblich auf die Ökobilanz von Baumaterialien und -produkten ab und umfasst zudem auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte sowie die technische und die Prozessqualität.
Welche weiteren Kriterien oder Methoden braucht die Beurteilung der Nachhaltigkeit von Beton und anderen Baustoffen in einem Bauwerk?
Häufig sieht man in Studien, dass einzelne ökologische Faktoren herausgegriffen werden, um die Vorteilhaftigkeit eines Baustoffes oder
die Nachteile der Wettbewerbsmaterialien aufzuzeigen. Damit ist niemandem geholfen, weder der Baupraxis noch der Umwelt. Wird die Zielsetzung
einer noch ganzheitlicheren Bewertung, also unter Berücksichtigung von Lebenszykluskosten, Komfortsteigerung und Ähnlichem gewünscht, müssen die Bewertungskriterien ergänzt werden. Mit den Zertifizierungssystemen
der so genannten 2. Generation ist dieser Weg bereits eingeschlagen worden.
Die Koordinationskonferenz der öffentlichen Bauherren (KBOB) hält fest, dass Beton der Baustoff mit den geringsten Umweltauswirkungen sei. Welches sind die Gründe für dieses Ergebnis?
Der Baustoff Beton hat sicherlich diverse Stärken: Er ist statisch und thermisch sehr attraktiv, kann als Ortbeton oder auch vorgefertigt eingesetzt werden, benötigt je nach Ausführungsqualität keine weitere Behandlung, ist ein wirtschaftlich attraktives Material und ein sehr dauerhaftes Produkt, ohne viel Wartungsaufwand. Auf der anderen Seite ist die Zementproduktion mit relativ hohen Treibhausgasemissionen verbunden. Wobei angeführt werden muss, dass die Schweizer Produktion im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt deutlich bessere Zahlen liefert. An diesem Beispiel sehen Sie, dass ich mich mit der Verallgemeinerung schwer tue.
Wie beurteilen Sie die Ökobilanz von Recyclingbeton?
Sicherlich besteht mit dem Recycling des Betons eine Möglichkeit, den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zur Ökobilanz von Recyclingbeton belegt, dass hier eine differenzierte Betrachtung notwendig ist. Recycling ist nicht per se ökologisch vorteilhaft, auch wenn dies allgemein so verstanden wird. Um dieselben Materialeigenschaften zu erhalten, muss einem Recyclingbeton in der Regel mehr Zement beigemischt werden. Andererseits wird durch die Nutzung von Betonabbruchgranulat der Kiesabbau reduziert, was im Sinne des Naturschutzes von Vorteil sein kann.
Der Energieaufwand für die Nutzung eines Bauwerkes ist zirka 10-mal grösser als der Energieaufwand für die Herstellung eines Gebäudes. Wird dieser Aspekt bei einer Ökobilanz mitberücksichtigt?
In der Schweiz und vielen anderen Ländern Westeuropas nimmt die Bedeutung der Nutzungsphase zu. Perspektivisch gehe ich davon aus, dass wir vermehrt über Ressourcen, respektive deren Verfügbarkeit und Knappheit, sprechen werden und das Thema Energie langsam in den Hintergrund gedrängt wird.
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