Wer von erneuerbarer Energie spricht, denkt kaum je an Abfall. Doch gilt dieser wegen seiner organischen Anteile auch als erneuerbarer Energieträger. Die Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen wie hier die neue Energiezentrale in Bern produzieren denn auch rund tausend Gigawattstunden Strom pro Jahr.
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Interview von Max Kaspar

Verwertung von Abfällen mit einem sehr hohen Wirkungsgrad: die beste Lösung aus Sicht der Nachhaltigkeit und der CO2-Bilanz der Schweiz.

All diese Abfälle müssten so oder so entsorgt werden. Weshalb nicht in einer Kehrichtverbrennungsanstalt KVA, sondern in einem Zementwerk?
Es gibt mehrere überzeugende Gründe dafür.Erstens einmal werden diese Abfallfraktionenin der Zementindustrie nicht nur «entsorgt», sondern energetisch verwertet. Mit einem sehr hohen Wirkungsgrad von bis zu 98% wird der Energieinhalt dieser Abfälle in Wärmeenergie umgewandelt. Zweitens bleibt dabei keine Schlacke übrig, wie dies bei den KVA der Fall ist. Gemäss BAFU müssen jährlich rund 660 000 Tonnen KVASchlacken zulasten künftiger Generationen der Deponierung zugeführt werden. Drittens kann damit der Einsatz von Kohle vermindert werden – in den letzten Jahren stets um rund 50%. Und was absolut zentral ist: die Zementwerke halten in jedem Fall die Vorgaben der Luftreinhalte-Verordnung LRV ein!

Resultiert aus dieser Form der Verwertung auch ein Nutzen für die Gesellschaft – oder ist dies einzig zum Vorteil der Zementindustrie?

Für uns als Gesellschaft entstehen aus Sicht der Nachhaltigkeit gewichtige Vorteile. Einerseits nimmt die Zementindustrie mit der Verwertung von über 300 000 Tonnen Abfallbrennstoffen eine bedeutende Entsorgungsfunktion wahr. Andererseits können dadurch die Importe an fossilen Brennstoffen – und damit insbesondere die aus deren Verbrennung resultierenden CO2-Emissionen – deutlich reduziert werden.

Die Verbrennung von Abfällen in der Industrie führt ja auch zu CO2-Emissionen. Kann daher die Schweiz tatsächlich einen Nutzen daraus ziehen?

Klar! Erstens müssen wie gesagt weniger fossile Brennstoffe importiert werden. Diese werden bei der Einfuhr der CO2-Bilanz der Schweiz gemäss Kyoto-Protokoll angerechnet. Zweitens sind die so genannten biogenen Abfallbrennstoffe wie Trockenklärschlamm, Tiermehl und Altholz CO2-neutral, da diese Stoffe aus dem natürlichen biologischen Kreislauf stammen. Diese Grundregel findet auch im schweizerischen CO2-Emissionshandelsregister ihre Entsprechung: Die fossil-alternativen Brennstoffe wie Altöl, Lösungsmittel oder Kunststoffe werden der Industrie voll angerechnet, die biogenen Abfallbrennstoffe dagegen nicht. Auf nationaler Ebene wird dabei umgesetzt, was auch international gilt.

Wie sieht Ihre Politik bezüglich der alternativen Brennstoffe für die Zukunft aus?

Primär einmal müssen wir bei der Revision der Technischen Verordnung über Abfälle TVA darauf hinwirken, dass gemäss den in der EU geltenden Regelungen inskünftig auch Ersatzbrennstoffe, welche in Sortieranlagen konfektioniert werden, bei uns eingesetzt werden können. Zudem werden wir natürlich alles daran setzen, den Anteil der biogenen Ersatzbrennstoffe zu erhöhen. Denn aus Sicht der Nachhaltigkeit ist die Verwertung von Abfällen in der Zementindustrie für alle ein Gewinn: für die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft!

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